Geschichte selbst erleben
Wie fühlt sich Geschichte an, wenn sie nicht nur im Schulbuch stattfindet? Die elften Klassen des DPFA-Regenbogen-Gymnasiums Zwenkau begaben sich in Leipzig auf die Spuren der Friedlichen Revolution und arbeiteten anschließend mit Originalakten des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit.
Auf den Spuren von 1989
Der Geschichtsunterricht führte die Schülerinnen und Schüler des DPFA-Regenbogen-Gymnasiums zum Anfang des Schuljahres mitten hinein nach Leipzig. Mit der App „Leipzig ’89“ erkundeten die Jugendlichen selbstständig Schauplätze der Friedlichen Revolution. An historischen Orten erfuhren die Schüler und Schülerinnen, was sich dort im Herbst vor 37 Jahren ereignete. Audiobeiträge, Bilder und Hintergrundinformationen ergänzten den Rundgang und machten deutlich, welch große historische Veränderung in Leipzig stattfand.
Originalakten statt Schulbuch
Vor dem Stadtrundgang blickten die Schüler und Schülerinnen des DPFA-Regenbogen-Gymnasiums mit einer anderen Sicht auf die DDR. In einem Workshop im Stasi Unterlagen Archiv arbeiteten die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen mit Originalakten des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit. Die Jugendlichen konnten anhand authentischer Dokumente nachvollziehen, wie umfassend Menschen beobachtet wurden und welche Folgen staatliche Kontrolle für das persönliche Leben haben konnte. Die Arbeit mit den Quellen forderte genaues Lesen, Einordnen und Hinterfragen. Was steht tatsächlich in einem Dokument? Welche Absicht steckt dahinter? Und was lässt sich daraus über die damalige Gesellschaft erfahren?
Als Projektabschluss gestalten die Schüler:innen eigene Reiseführer zu ausgewählten Stationen. Fotos: DPFA Zwenkau
Vom Lernen zum Vermitteln
Nach dem Erkunden und Analysieren folgt das eigene Gestalten. In Gruppen erstellen die Schülerinnen und Schüler Reiseführer zur Friedlichen Revolution in Leipzig. Dafür wählten sie wichtige Stationen aus, prüften Informationen und überlegten, wie sich historische Zusammenhänge verständlich und interessant vermitteln lassen. Sie entschieden selbst, welche Schwerpunkte sie setzen und wie sie ihre Ergebnisse präsentieren. Damit wurden aus den Lernenden selbst Vermittlerinnen und Vermittler von Geschichte. Fachwissen verbindet sich mit Recherche, Medienkompetenz, Kreativität und der Fähigkeit, Inhalte für andere aufzubereiten.
Geschichte, die weiterwirkt
Die Friedliche Revolution liegt mehrere Jahrzehnte zurück. Die Fragen, die sie aufwirft, sind jedoch bis heute aktuell: Wie wichtig sind persönliche Freiheit und demokratische Beteiligung? Welche Verantwortung trägt jeder Einzelne? Und was geschieht, wenn Menschen bereit sind, für ihre Überzeugungen einzustehen? Die Begegnung mit den historischen Orten und Dokumenten zeigte den Schülern und Schülerinnen des DPFA-Regenbogen-Gymnasiums, dass Geschichte niemals abgeschlossen ist. Sie wirkt weiter, wenn wir uns mit ihr beschäftigen, unterschiedliche Perspektiven zulassen und aus ihr Fragen für unsere eigene Gegenwart entwickeln.
Ein besonderer Dank gilt dem Museum in der „Runden Ecke“ in Leipzig für die Unterstützung und die Möglichkeit, Geschichte an einem authentischen Ort zu erleben.

