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Schulsozialarbeit ist mehr als Unterstützung und Beratung


Schulsozialarbeiter beraten und begleiten Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Wie das in der Praxis genau aussieht, haben wir unsere Schulsozialarbeiterin Beatrice Heidler-Kioschus im Interview gefragt.

Beatrice Heidler-Kioschus, Schulsozialarbeiterin am DPFA-Regenbogen-Gymnasium Zwenkau
Beatrice Heidler-Kioschus, Schulsozialarbeiterin am DPFA-Regenbogen-Gymnasium Zwenkau. Foto: R. Schlöffel, DPFA Zwenkau

Frage: Seit wann arbeiten sie als Schulsozialarbeiterin bei uns?

Beatrice Heidler-Kioschus: Seit November 2019 habe ich die Freude, als Schulsozialarbeiterin am DPFA-Regenbogen-Gymnasium in Zwenkau tätig zu sein. Als Mitarbeiterin des Wegweiser e.V. erlebe ich die Vielseitigkeit dieses Berufes sowohl persönlich als auch durch den Austausch mit meinen Kollegen und Kolleginnen, welche an verschiedenen Schulen im Leipziger Land tätig sind.

Was machen Sie als Schulsozialarbeiterin?

Beatrice Heidler-Kioschus: Die Schulsozialarbeit beinhaltet vielfältige Gruppenangebote und die Möglichkeit der Einzelfallberatung. Gruppenangebote bestehen beispielsweise aus der Durchführung und Organisation von Präventionsveranstaltungen, der Begleitung des Streitschlichterprojektes und der Durchführung des „Sozialen Lernens“ in den Klassen 5 und 6 (Stärkung des Klassenklimas, Sozialkompetenztraining, Aufstellen von Klassenregeln, usw.).

Mit welchen konkreten Problemen können Schüler zu ihnen kommen?

Beatrice Heidler-Kioschus: Bei individuellen Problemlagen und Fragen bin ich sowohl für die Schüler und Schülerinnen als auch für Eltern und Lehrkräfte persönlicher Ansprechpartner. Hierzu gehört die Begleitung persönlicher und seelischer Krisen, Beratung und Weitervermittlung bei Drogenproblematiken, Intervention bei Mobbingerfahrung und die Hilfe bei Versagensängsten und Schulverweigerung.

Welche Erfahrungen haben Sie in den vergangenen Wochen gemacht?

Beatrice Heidler-Kioschus: Auch wenn die Schulen, wie in den vergangenen Wochen, geschlossen bleiben, bin ich im Rahmen der Schulsozialarbeit tätig. Anfang März hörte ich oft den Begriff „Coronaferien“. Er vermittelte ein positives Gefühl, denn man verbindet Ferien doch mit Abwechslung und Zeit mit den Liebsten. Was wir alle in den letzten Wochen erlebt haben, hatte jedoch recht wenig mit diesem verträumten Bild zu tun. Neben all dem Bestreben, möglichst positiv und vor allem gesund zu bleiben, fordert diese Zeit allen eine Menge ab.
Ich erlebte Eltern, die im Homeoffice Lego spielten und nebenbei ihrem Achtklässler bei der Aneignung von Physikkenntnissen halfen, die sie selbst erfolgreich vor 20 Jahren verdrängt haben. Schüler und Schülerinnen suchten telefonisch Rat, wenn ihnen die Lerninhalte und die persönlichen Herausforderungen daheim zu viel wurden. Lehrkräfte wandten sich an mich, wenn sie das Gefühl hatten, dass in einer Familie etwas nicht stimmte. Ich selbst kontaktierte Schüler und Schülerinnen, die im Laufe des Schuljahres wegen unterschiedlicher Problemlagen zu mir kamen, damit sie wissen, dass sie sich weiterhin an mich wenden können. Zudem beschäftigte ich mich ebenso mit Dokumentations- und Vorbereitungsarbeiten für die Zeit nach der Corona Krise.

Beatrice Heidler-Kioschus nutzt das persönliche Gespräch, um eventuelle Problemlagen zu erkennen. Foto: R. Schlöffel, DPFA Zwenkau

Wie sind sie erreichbar und wann sind Sie am Gymnasium?

Beatrice Heidler-Kioschus: Für alle persönlichen Belange bin ich seit dem 4. Mai wieder wie gewohnt erreichbar:

Telefon: 0176 – 53 21 90 43
Mail: beatrice.heidler-kioschus@wegweiser-boehlen.de

Erreichbarkeit in der Schule:
Dienstag bis Freitag von 8:00 Uhr bis 14:00 Uhr

Was reizt sie an ihrer Arbeit?

Beatrice Heidler-Kioschus: Besonders die letzten sechs Wochen haben mir viele neue Facetten und Möglichkeiten der Schulsozialarbeit aufgezeigt. Nach meinem Pädagogikstudium habe ich mich für den berufsbegleitenden Master „Prävention- und Gesundheitspsychologie“ entschieden. Die Präventionsarbeit, bezogen auf die seelische Gesundheit und die Stärkung verschiedener Sozialkompetenzen, liegt mir besonders am Herzen. Ergänzend habe ich die Ausbildung zur Fachkraft für tiergestützte Therapie und Förderung absolviert und befinde mich aktuell in der Weiterbildung zum Entspannungstherapeuten für Kinder und Jugendliche. All diese Kenntnisse und Methoden lassen sich tagtäglich in meiner Arbeit mit den Schülern anwenden.

Bleibt neben dem Beruf auch noch Zeit für andere Dinge?

Beatrice Heidler-Kioschus: Neben meinem Weiterbildungsinteresse verbringe ich gern Zeit im Freundeskreis und mit meiner Familie. Seitdem ich 2018 selbst Mutter geworden bin, ist es meine Hauptaufgabe, „Mama“ zu sein, und wie jede Mama brauche auch ich mal einen Ausgleich, in Form einer Inliner-Tour oder einer Runde Laufen am Zwenkauer See.

Wie wird ihre Arbeit in den Klassen in der nächsten Zeit aussehen?

Beatrice Heidler-Kioschus: Aktuell ist noch nicht absehbar, in welcher Form zum Beispiel das „Soziale Lernen“ wieder stattfinden kann. Denkbar sind kleinere Gruppen, in denen aktuelle Themen (selbstständiges Lernen, Solidarität, aber auch soziale Isolation, Ängste und Sorgen) angesprochen werden. Methodisch müsste bei allen Interaktionen auf den Mindestabstand geachtet werden. Das stellt auch für mich eine kreative Herausforderung dar, welche ich bereit bin, gemeinsam mit Lehrkräften und Schulklassen zu bewältigen. Doch ich möchte den Schülern und Schülerinnen auch ein Gefühl von Normalität vermitteln, nicht nur über Corona sprechen.

Ich bin schon gespannt, wie die SchülerInnen die letzten Wochen verbracht haben. Ich hoffe, dass sie auch weiterhin optimistisch sind und Unterstützung und Zusammenhalt in dieser Zeit erfahren konnten.

Bleibt weiterhin wohlauf und vor allem gesund!

Vielen Dank für das Gespräch!